Oberwelt e.V.
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und

Eva-Maria Reiner



(english version below) Eva-Maria Reiner reflektiert in ihrer Arbeit, inwiefern ihr bildnerisches Schaffen Werkzeug von Mitteilungen sein kann. Ein besonderer Aspekt der Arbeiten ergibt sich aus dem Interesse an Kommunikationsstrukturen, dem Ineinandergreifen von visuellen und sprachlichen Elementen. Sie beschäftigt sich mit Schrift und Wörtern losgelöst von narrativen Praktiken.

Ausgangsmaterial der Werke sind am Computer gesetzte, am Drucker vervielfältigte und anschließend aus den Papieren geschnittene Buchstaben, Wortfragmente, Wörter oder Wortketten. Sie bilden die Basis für Papiercollagen oder sie werden in Pappuntergründen fixiert, aus denen sie hervorragen: Zungen gleich oder als raumgreifende Wellenbewegungen, als Schlaufen- und Knotenformationen. Dabei entstehen von der Künstlerin sogenannte Textfelder, die in Vitrinentürme eingefügt werden. Diese Türme entstehen durch Schichtung von Papprahmen und Glasscheiben, zwei weitere wichtige Elemente und Materialien der Arbeit von Eva-Maria Reiner. Es ergibt sich der Charakter von architektonischen wie auch von mathematisch-geometrischen Modellen, der Anschein von Notationsverfahren, die szenische Entwürfe und Bewegungsabläufe skizzieren.

Eröffnung am Freitag, 8. Mai, 19:00 Uhr
mit Gilbert Fels, Autor

Besichtigung der Ausstellung bis 6. Juni montags 19:30 bis 23 Uhr, freitags 15 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0151-67602730 oder 0711-650067 oder invitation (at) oberwelt.de

Finissage am Samstag, 6. Juni, 11 bis 15 Uhr

Einführungstext von Gilbert Fels

und Schnitt

eine strenge weiß-schwarze Welt / von hoher Faszination / öffnet sich / und verbirgt zugleich viele Bedingungen ihres Entstehens / ins Auge springt zunächst / die Überraschung / dass Schrift im Spiel ist / nicht nur im Spiel, sondern wesentliches Element / was in unerwarteter Weise die Frage evoziert, worum es sich handelt bei diesen Arbeiten / hier /

taste ich mich versuchend-beschreibend voran / an den Exponaten dieser Ausstellung mit dem einfachen, aber vielleicht umso mehr be/sagenden Titel »und« /

ein Verbindungswort, eine Konjunktion / von lateinisch: conjungere: verbinden, verknüpfen, zusammenfügen / und verbunden, verknüpft, zusammengefügt werden hier Elemente zweier Sphären / der literarischen Welt entstammend, Buchstaben, Schriftzüge, Wörter / in Umsetzungen und Gestaltungen bildhafter Natur /

dabei sind Schnitte zentrale Mittel / Schnitte unterschiedlichster Arten und Kategorien / Einschnitte, in welchen wiederum Ausschnitte stecken / zu schmalen länglichen Streifen geschnittene Papiere / Konturschnitte, Scherenschnitt / alle bedruckt / oder selbst Buchstabe /

dementsprechend auch Schriftschnitte / unterschiedlichster Schriftarten, Punktzahlen, also Schriftgrößen, und Anmutungen: regular, kursiv, condensed, light, bold /

schon der Buchstabe selbst gehört beiden Sphären an / ist graphisches Zeichen / und Bestandteil von Morphemen, kleinsten bedeutungstragenden sprachlichen Einheiten / also Schrift / die hier in sehr unterschiedlichen Ausprägungen eine tragende, jedenfalls dominante Rolle spielt /

als Schwarzwert zum einen / auf Papieren unterschiedlichster Beschaffenheit / sowie in den Rahmen, Umrandungen, Räumen / der Vitrinen und Vitrinentürme / Mögliche Szenen genannt / die ein breites Spektrum an Weißfarbigkeiten entfalten /

und / als Bedeutungsträger semantischer Information / obwohl dieser die Eineindeutigkeit oft genommen ist / denn hier hat die Autorin / im weitesten Sinn dieses Begriffs als Urheberin / vielerorts, was Literaten eher nicht tun, die Wörter teilweise unkenntlich gemacht / treibt sie ein gewagtes Spiel / dreht sie / im Munde herum / zerlegt sie / spiegelt, verkleinert, vergrößert sie, schreibt sie rückwärts, spiegelt sie wieder, staucht sie, dehnt sie / und bewegt, dreht, schlingt, fädelt sie quer durch die drei Dimensionen ihrer Vitrinen / die wortwörtlich Spielräume sind /

nun sagt jedes geschriebene Wort / was immer es an sich bedeute / auch: Lies mich! / also, wir lesen /

in einer der vier Vitrinen ethisch ästhetisch privat öffentlich Individualkunst Kollektivkunst poetisch politisch / lesen in einer zweiten Vitrine in wechselnden Konstellationen Kollegin Kollege / Singular, Pural, maskulin, feminin / vice versa / und andersherum / begleitet vom Schriftzug der Künstlerin / sehen in einer dritten Vitrine reiche Metamorphosen des »und« sowie wieder den, hier gespiegelten Namenszug / und in der letzten zu Möbius-Bändern und Kleeblattknoten verschlungene und bedruckte Streifen Papiers /

dazu kommen, die Künstlerin nennt sie Cut-outs, frühe Collagen in kastenförmigen Rahmen / auch hier ist ihr Namenszug vertreten / und das titelgebende »und« /

ethisch ästhetisch et cetera / antagonistische Prädikate, die einen Diskursraum aufspannen / vielleicht sogar eine Matrix / innerhalb welcher / oder bezogen auf die / sich Fragen verorten lassen, die Relevanz von Kunst / und Kunstwerken betreffend / und / das Stichwort der Kollegenschaft auf das gleichzeitig und vorausgehend Entstandene verweist / auf die Tatsache, dass Werke der Kunst niemals im leeren Raum entstehen, sondern immer mit Werken der Kunst interagieren / was Pfeile noch unterstreichen / und das ebenfalls in vielerlei typographischen Variationen inszenierte Wort »und« seinerseits impliziert /

wäre also hier / unter Inanspruchnahme auch sprachlicher Mittel / eine bildnerische Aussage getroffen, die / was immer auch ansonsten den großen sinnlichen Reichtum dieser Arbeiten ausmacht / ein klares Bekenntnis setzt für ein gedanklich-planendes, also reflektiertes künstlerisches Agieren / in Zeiten, in denen das Adlibitum / unter Verweis auf Authentizität / sich qualitativer Anstrengung oft enthoben glaubt? /

denn auch handwerklich sehen wir artifizielle Präzisionsarbeit / sowohl am Rechner, auf dem diese Textstreifen / samt ihrer Verfremdungen, Umkehrungen, Krebse, Spiegelungen / und gelegentlich auch Krümmungen / angelegt sind / als – eben – auch als hochsubtile Schnitt- und Schneidekunst / in der Montage auf dazu vorbereiteten Feldern / sowie den Streifenscharen und kunstvoll verschlungenen Bändern und Bündeln /

dazu verraten Entwurfsskizzen / die genau genommen technische Zeichnungen sind / allerdings mit einer ihresgleichen in Ingenieursbüros so nicht eigenen Poesie / hier unterscheiden sich die gestaltenden Hände / das akribische Planen der komplexen Settings und Arrangements /

eine Strecke führt eine ganze Entwicklungslinie vor / die in einer Collage resümiert / bei der der es jedoch nicht bleibt, Ableitungen testen weitere mögliche Stadien aus / doch / zum Glück / und aus Eigenart / erschöpft sich die Lesbarkeit von Kunstwerken nicht in erläuternd-ver- und untersuchenden Reden /

welche Signale also nachhallen / und je stärkere, umso relevanter die Arbeiten / in den Echoräumen unserer Sinne / steht auf einem anderen, steht auf jedes eigenem Stern / und ist Wirkung dieser Bildwerke allein / lauschen wir noch wenig ihren Rückkopplungen nach.









und (and)
Eva-Maria Reiner


Eva-Maria Reiner reflects in her work how her artistic practice can be a tool for communication. A particular aspect of her work arises from her interest in communication structures, the intertwining of visual and linguistic elements. She engages with writing and words detached from narrative practices.

The raw material of the works are letters, fragments of words, words or strings of words that are typed on a computer, reproduced using a printer, and then cut out of sheets of paper. They form the basis for paper collages or they are set on cardboard bases, protruding from them, becoming tongues or three-dimensional undulations, formations of loops and knots. What is created the artist calls ‘text fields’, which are mounted inside glass cabinets. These cabinets are formed through the layering of cardboard frames and glass panes, two more important elements and materials in Eva-Maria Reiner’s work. The result bears the character of both architectural and geometric models, and the appearance of notation practices that sketch out scenic designs and sequences of movement.

Opening on Friday, 8 May 7 pm

with Gilbert Fels, author

the exhibition can be viewed until 6 June mondays 7:30 pm til 11 pm, fridays 3 til 6 pm, saturdays 11 am til 3 pm and by appointment by phone 0711-650067 or invitation (at) oberwelt.de

finissage Saturday, 6 June 11 am til 3 pm





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